Brachionus

Brachionus

Brachionus sind eine Grundlage zur erfolgreichen Zucht mariner Tiere. In dieser Anleitung erläutern wir, wie man auf sichere und einfache Art zu dichten Brachionuskulturen kommen kann. Das ganze jedoch ohne Phytoplankton. Dies vereinfacht die ganze Zucht erheblich.

Im Speziellen die Brachionus sind der Schlüssel zur erfolgreichen Nachzucht  von Meerwassertieren. Was aber leider nicht heissen soll, dass wir nun in der Lage sind alle möglichen Meerwassertiere züchten zu können, denn für manche Larven sind selbst diese Winzlinge noch zu gross oder sie passen nicht ihr Nahrungsschema.

Wir sind aber überzeugt, dass selbst nur mit verschieden angereicherten Brachionus noch einiges möglich sein wird. Das ist der grosse Vorteil der Brachionus, dass sie sich füllen lassen wie Kartoffelsäcke. Es wird alles, was die richtige Grösse hat mit den Wimpern in den Schlund gefächert. Es geht in diesem Bericht nicht um die Biologie der Brachionus, wichtig für uns ist lediglich das Vorgehen bei der Kultivierung.

Aus der grossen Anzahl der verschiedenen Brachionusarten, übrigens sind’s Rädertierchen oder auch Rotifer genannt, sind folgende 3 Arten die meist genannten in unseren Kreisen. Der Hauptunterschied für uns liegt hauptsächlich in der Grösse.

Brachionus plicatilis: 200-300 μm

Brachionus ibericus: 140-180 μm

Brachionus rotundiformis: 80-120 μm

Die ausgewachsenen Brachionus tragen jeweils 1-4 Eier an ihrem Hinterteil, aus welchen jeweils ein fertig ausgebildetes Junges schlüpft. Hier konnten wir zufälligerweise einen solchen Schlupf beobachten. Es dauerte über mehrere Minuten, bis sich das Junge vollständig aus der Schale befreit hatte.

Der Einfluss der Salinität auf die Grösse

Dass man mit der Salinität auf die Grösse der Brachionus Einfluss nehmen kann mag stimmen, mehr als +/-10% konnten wir aber nie nachvollziehen und so ist es schon anzustreben, dass man die B. rotundiformis bekommen kann. Je nach Fischlarvengrösse sind nämlich die B. rotundiformis noch zu gross. Für Amphiprion ocellaris und A. percula scheinen sie aber ideal zu sein.

Eine interessante Beobachtung der Salinität:

Immer auf der Suche nach neuen Planktonarten, die möglicherweise zu kultivieren sind, haben wir uns aus der Ostsee zwei Liter Wasser schicken lassen. Dieses Wasser hatte zu unserem erstaunen gerade einmal die halbe Salinität als wir es gewohnt sind.

Ohne Aufsalzung setzte ich das Wasser in einem Reaktor an und von Zeit zu Zeit wurde das Wasser auf mögliches Plankton untersucht. Um es kurz zu machen, wir haben nichts wirklich interessantes gefunden, doch auf einmal hatte es Brachionus und dies bei solch niedrigem Salzgehalt. Die Grösse war nicht wirklich anders als bei unseren „normal“ gehaltenen.

Allgemeines

Je nach Absicht, wie viel Tiere nachgezogen werden sollen, sind mehr oder weniger Kulturgefässe nötig. Zur Versorgung eines Schlupfes Ocellaris genügen etwa 30 Liter einer guten Brachionus-Kultur. Am besten in zwei Gefässe aufgeteilt.

Wenn aber nach zehn Tagen schon wieder der nächste Schlupf ernährt werden soll kann es sehr schnell knapp werden. Zudem kann es jederzeit passieren, dass die Kultur "abstürzt" und schon steht man ohne Brachionus da. Deshalb sind mindestens drei Kulturen im Wechsel betrieben keine übertriebene Sicherheit. Es ist auch zu empfehlen, besser mehrere, aber dafür kleinere Kulturgefässe zu verwenden. Die sind auch besser händelbar, was bei der Reinigung klar von Vorteil ist.

Planktonreaktor

Das Herzstück jeder Brachionuskultur ist natürlich der Planktonreaktor.

Es eignen sich alle Arten von Vasen ähnlichen Gefässen mit genügend Fassungsvermögen. Die hier abgebildeten Reaktoren ist eine Sonderanfertigung von SwissAquaristik GmbH mit ca 15 l Inhalt.

Natürlich funktioniert es auch mit kleinen Normbecken aus dem Aquaristikhandel. Nachteile gibt es aber in Bezug auf die Erzeugung der Wasserbewegung und der Reinhaltung.

Planktonfilter

Eines der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände ist der Planktonfilter. Mit wenigen PVC Teilen aus dem Baumarkt und 55 μm-Gewebe kann einfach ein solcher Filter selbst hergestellt werden. Fertig zu kaufen gibt es diese bei SwissAquaristik GmbH

Die Larvenverluste sind einfach gewaltig, wenn man gezwungen wäre das Kulturwasser mit in das Larven-Aufzuchtbecken zu geben.

Bodenreiniger

Ein Bodenabsauger aus einem Tetra Scheibenschaber hergestellt.

Messbecher

Messbecher 50 ml und Messlöffel 4 ml

Mikroskop

Und zu guter Letzt ist man auf ein brauchbares Mikroskop schon fast angewiesen. Denn es ist uns auch schon passiert, dass wir dachten die Brachionusdichte sei wunderbar und wenn man dann reinschaut findet man nur Paramecien, Euplotes und viel Schwebeteile. Von Auge und ohne Übung ist dies nämlich fast nicht zu unterscheiden.

Nähr- und Anreicherungsmittel

Nun braucht es natürlich auch geeignete Mittelchen als Ersatz zum Phytoplankton. Wir verwenden die Produkte von Inve, mit welchen wir bisher gute Erfahrungen gemacht haben.

S.parkle

Nährmedium zur raschen Vermehrung von Rädertierchen.

Protein Selco Plus

Maximale Anreicherung der Brachionus mit DHA/EPA.

Erhöhter Vitamina-C-Anteil zur Stressreduzierung der Fischlarven.

Kutivierung

Zuerst muss man natürlich von irgendwoher einen Ansatz Brachionus bekommen. Ein guter Ansatz hat etwa 60-80'000 Brachionus pro Liter. Typischerweise ersteht man einen Liter Ansatz, welcher dann zum Start mit ca. 2 Liter frischem Salzwasser verdünnt angesetzt wird.
Zur Fütterung werden nun ca. 1ml S.parkle in 10 ml handwarmem Wasser verquirlt. Dies lässt man ca. 4 Minuten ziehen und gibt davon 0,1 ml je Liter Kultur in den Reaktor. Der Rest der Emulsion kann für 3-4 Tage im Kühlschrank zur späteren Verwendung aufbewahrt werden.

Spätestens nach dem 5. Tag sollte die Kultur wieder eine ähnliche Brachionusdichte wie die des Ansatzes aufweisen. Ist dies der Fall kann erneut etwa 3 Liter frisches Salzwasser zugefügt werden.

Diese Schritt werden nun so oft wiederholt und die Futtermenge auf die neue Kulturmenge angepasst, bis das Kulturgefäss voll ist.

Futtermengen (ca 0,1 ml je Liter Kultur)

1. Schritt 0,2 ml
2. Schritt 0.5 ml
3. Schritt 1.0 ml
4. Schritt 1.5 ml

Das heisst nach etwa 2-3 Wochen erhält man auf diese Weise etwa 1,4 Mio Brachionus. Die Brachionusdichte kann jedoch bis ca.140 Stk/ml und mehr erreichen. Dies kann unter dem Mikroskop sehr gut ausgezählt werden.

Ist man mit den Brachionus erstmal soweit gekommen kann an die erste Zucht von Fischen gedacht werden. Parallel dazu sollten spätestens jetzt zwei weitere Brachionuskulturen angesetzt werden.

Dieses Vorgehen mit den Inve Produkten vereinfacht das ganze erheblich, denn Phytokulturen stabil und über längere Zeit am laufen zu halten, ist mit einigem Mehraufwand verbunden.

Futterdosierung

Vor der Dosierung (Bild links).
Nach der Dosierungist der Ansatz milchig trübe (Bild rechts), sodass man noch ganz leicht Umrisse durch 20 cm Kulturwasser erkennen kann, was leider auf dem Bild rechts nicht so richtig zur Geltung kommt.

Einer der grössten Fehler den man machen kann ist, dass man zuviel Futter zugibt, denn das vertragen die Brachionus nicht und die Kultur stürzt unweigerlich ab. Dafür hat man dann vielleicht Euplotes oder noch schlimmer Paramecien oder ganz einfach trübes Wasser was auf Bakterien hinweist. Die Brachionus werden ganz einfach durch die Bakterien verdrängt und sterben ab.

Nun wird täglich mit 0,5ml S.Parkle Emulsion gefüttert. Falls die Kultur binnen 24 Stunden nicht eindeutig aufgeklart ist reduziert man die Futtermengeentsprechend.

Beleuchtung

Wir verzichten bewusst auf Reaktoren mit integrierter Beleuchtung, da dies einen vermehrten Aufwand bei der Reinigung mit sich bringt.
Eine über den Reaktoren angebrachte T5 Leuchtstoffröhren (Doppelbalken weis/blau) reicht vollkommen aus. Dieser wird im normalen Tag-/Nacht-Rhythmus (10h/14h) geschaltet.

Die Anreicherung

Nun kann auch mit der Anreicherung begonnen werden.

Das Ziel ist, die Brachionus mit Omega3 Fettsäuren, Nährstoffen und Vitaminen anzureichern, um den Fischlarven gutes Wachstum, Gesundheit und Vitalität zu garantieren. Hierzu stehen verschiedene Mittel mit unterschiedlichen Gehaltsverteilungen zur Verfügung. Je nach Produkt unterscheidet sich die Art der Anreicherung.

- Protein Selco Plus ist eine feuchte Paste, welche man zusammen mit dem S.parkle gleichzeitig und im gleichen Reaktor verwenden kann. Dosierung etwa im Verhältnis 1:1 zu S.parkle. Man kann dies zusammen mit dem S.parkle zu einer Emulsion verquirlt werden.

- DHA Protein Selco ist ein Granulat, welches wir mittlerweile ebenfalls zusammen mit dem S.parkle verwenden. Dosierung etwa im Verhältnis von 2:3 zu Culture Selco Plus.

- Prolon ist ein Pulver, eigentlich zur Anreicherung von Artemien entwickelt. Wir verwenden es im Wechsel aber auch für die Brachionus wie das DHA Protein Selco.

- Easy Super Selco ist ein hochkonzentriertes Flüssigmittel und somit easy und sparsam in der Anwendung. Dosierung etwa drei bis vier Tropfen auf 15 Liter Kultur.

Wir wechseln das Anreicherungsmittel ca alle drei Tage, damit sind auch unsere Fischlarven abwechslungsreich genährt.

Anmerkung

Die Verwendung von Nähr- und Anreicherungsmittel zusammen im gleichen Kulturgefäss funktioniert nach unseren Erfahrungen jedoch nur bei den Brachionus. Artemien vertragen eine andauernde Anreicherung nicht, diese sind für max. 12 Stunden im angereicherten Wasser schwimmen zu lassen. 

Sämtliche in diesem Bericht erwähnten Produkte sind am Hauptsitz von SwissAquaristik GmbH erhältlich.

 © 2006 SwissAquaristik GmbH.